Bekenntnisse in den Religionen
Mein Bekenntnis als Jüdin
Es ist das erste Gebet, das ein jüdisches Kind lernen soll: das Glaubensbekenntnis »Schma Israel« (»Höre Israel«). Ich habe es erst mit zwölf Jahren kennengelernt, denn in Ulm gab es keine jüdische Gemeinde. Anfang der 1980er-Jahre schickte uns die Israelitische Religionsgemeinschaft Württemberg in Stuttgart einmal pro Woche einen israelischen Religionslehrer nach Hause. Der brachte mir das »Schma Israel« und andere Gebete bei. Der Unterricht war allerdings nicht von Dauer, mein Interesse ließ schnell nach. Mein Vater stammte aus einem orthodoxen ostjüdischen Elternhaus und hatte sich von der Religion losgesagt. Ich konnte mich mit dem Beten ebenfalls nicht anfreunden. Auch heute würde ich mich nicht als gläubig bezeichnen – wobei es im Judentum weniger auf den Glauben ankommt als auf das Praktizieren. Ich jedenfalls verstehe das Judentum als Auftrag, das Richtige zu tun – was meiner Ansicht nach auch möglich ist, ohne an Gott zu glauben. Trotzdem gehe ich gelegentlich in die Synagoge und spreche das »Schma« mit. Ist das konsequent? Nein. Ist das erlaubt? Ich denke, ja. Was also ist meine Beziehung zum »Schma Israel«?
Sie haben bereits ein
-Abo? Hier anmelden
Ayala Goldmann ist Kulturredakteurin der »Jüdischen Allgemeinen«. In ihrem Buch »Schabbatkind« erkundet sie die Geschichte ihrer Familie.

