Rugby im Vatikan
Geht es nach den Italienern, dann soll ein einheimischer Kardinal den Stuhl Petri besteigen. 35 Jahre mussten sie darauf warten – aus ihrer Sicht wird es Zeit. Dafür trommeln Mitte-Links-Politiker wie Andrea Riccardi, der Mitgründer der weltweiten Basisgemeinde Sant´Egidio, wie auch die gesamte rechte Berlusconi-Presse. Ein Italiener! Einer von uns, einer wie wir!
Deshalb tun sich die 28 heterogenen Italo-Kardinäle zusammen. Für kurze Zeit herrscht Burgfrieden. Sie bündeln all ihre Stimmen gegen die »Internationalisten«, die im Konklave weniger fest organisiert sind. Wie sich die Mannschaft beim Rugby en bloc um das Ei schart und dann vorwärts rennt, um das lederne Ding über die hoch gelegte Latte zu bugsieren – so kann man sich die italienischen Purpurträger zu Beginn des Konklaves vorstellen. Sieg in der ersten Runde! Das hoffte die veröffentlichte Meinung in Italien.
Das hat nun nicht geklappt. Trotzdem hoffen die Italiener weiter, dass sie die nationalen Leiden an der Wirtschafts- und Politikkrise durch einen italienischen Papst lindern können.
Doch jetzt wird das Spiel zu einer offenen Partie: Morgen, wenn das Wählen weitergeht, haben die Null-Toleranz-Kardinäle, die Aufräumer und Aufklärungswilligen aus dem Ausland eine Chance.
Fest steht: Wer diesmal Papst wird, der hat sich weit ungestümer als Joseph Ratzinger anno 2005 in das Amt gedrängt. Es gibt zehn willige Kandidaten. Einige – wie der New Yorker Kardinal Timothy Dolan – platzen schier vor Kraft und Selbstbewusstsein.
Rosa Rauch über St. Peter
Während die Kardinäle am heutigen Morgen die traditionelle Vor-Konklave-Messe »Pro Eligendo Papa« im Petersdom zelebrierten, trafen sich auf dem nahe gelegenen Gianicolo-Hügel an der Piazza Garibaldi katholische Frauenbewegungen, darunter kirchenrechtlich illegal geweihte Priesterinnen aus aller Welt. Vor allem Frauen aus Nordamerika, Australien und Großbritannien waren vertreten. Es regnete aus tief hängenden Wolken. Castel Gandolfo, wohin der Blick über die Stadt gen Osten schweift, verschwand in Sturm und Nebel. Irgendwo dort ist jetzt der emeritierte Bischof von Rom, der zurückgetretene Benedikt XVI.
Doch die katholischen Feministinnen waren höchst präsent und kommunikativ. In Kostüm und Stöckelschuhen die einen, in wetterfester Wanderkleidung die anderen. Die Priesterinnen trugen das weiße Chorhemd und die lila Stola. Eine kurze, scharfe Erklärung über den Sexismus der katholischen Kirche, gefolgt von den Forderungen der Women Ordination Conference Worldwide: Dann stimmten die Frauen das Lieb an »Ubi caritas et amor«. Infolge des Regens brauchte es mehrere Anläufe, bis die rosarote Signalfackel brannte. Doch dann stieg Pink Smoke auf, rosa Rauch über Sankt Peter.
