Wunden, die verbinden
Am 1. Dezember 2020 fuhr ein Mann gezielt mit einem Auto auf Menschen zu, die in der Trierer Fußgängerzone unterwegs waren. Er tötete sechs von ihnen und verletzte mehr als zwanzig weitere teils sehr schwer. Viele Menschen blieben traumatisiert zurück. Eine so gnadenlose Tat bleibt unbegreiflich und lässt den Atem stocken. Zugleich aber geschah in diesen Minuten etwas Überraschendes. Als Polizei und Sanitätsteams eintrafen, war kein Verletzter ohne Beistand. Mitten im unfassbaren Grauen standen Menschen, die zufällig da waren, ihren Nächsten bei. Sie leisteten Erste Hilfe, ließen niemanden in Schmerz, Angst und Verzweiflung allein. Sie wichen dem Schrecken und dem eigenen Schmerz nicht aus. Sie setzten in der Unmenschlichkeit einer Amokfahrt ein leuchtendes Zeichen der Humanität.
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Hildegund Keul, Jahrgang 1961, lehrt an der katholischen Fakultät der Universität Würzburg Fundamentaltheologie und Vergleichende Religionswissenschaft.

