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8. Mai
Mitgefühl üben

Am 8. Mai vor 80 Jahren endete der Zweite Weltkrieg. Die Psychoanalytikerin Luise Reddemann wünscht, dass der Tag ein offizieller Feiertag wird, ein Tag der Trauer und des Mitgefühls. Ein Gastkommentar.
von Luise Reddemann vom 29.04.2025
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(Foto: IMAGO/Photothek/Thomas Koehler)
(Foto: IMAGO/Photothek/Thomas Koehler)

Ich begann, mich mit der Schuld der Elterngeneration – auch meiner eigenen Eltern – auseinanderzusetzen, als ich zwölf Jahre alt war. Jahrzehnte später, auf einer Tagung meiner psychoanalytischen Fachgesellschaft, sagte ein älterer jüdischer Kollege zu uns, wir sollten uns nicht mehr ständig für schuldig erklären. Es gehe vielmehr um Mitgefühl. Da wurde mir bewusst, dass die Selbstanklagen auch ein Schutz waren. Ein Schutz davor, Scham und Trauer zuzulassen, über das, was unsere Eltern getan oder unterlassen hatten. Als Psychoanalytikerin habe ich mich damit beschäftigt, wie der Zweite Weltkrieg in den Kriegskindern und -enkeln fortwirkt. Wir kommen als deutsche Menschen, insbesondere wenn wir Kinder der Täter sind, nicht umhin, uns mit ihrer Schuld auseinanderzusetzen. Mit Klarheit und Mitgefühl.

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