Kirche in der Ukraine
Kyrills Krieg und Vassas Widerstand
Heiliger Krieg« – als Patriarch Kyrill am 27. März dieses Jahres beim »Weltkonzil des russischen Volkes« das Wort »heilig« in den Mund nahm, um den russischen Angriffskrieg, der bis vor Kurzem nur »militärische Spezialoperation« genannt werden durfte, die höheren Weihen zu erteilen, hielt sich die Empörung in Grenzen. Die Kirchenführer der Christenheit stellten sich mit wenigen Ausnahmen taub oder taten so, als ginge sie das nichts an. Natürlich protestierten die Metropoliten der ukrainischen Kirchen, doch in orthodox geprägten Ländern wie etwa Griechenland, Rumänien, Bulgarien und Serbien schwiegen sie. Das Ehrenoberhaupt der Orthodoxie, Patriarch Bartholomaios, verurteilte zwar die Lehre des »Weltkonzils«, vermied aber jede weitere Konfrontation. Papst Franziskus sagte gar nichts dazu. Und der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) formulierte eine gewundene Erklärung. Die Rede vom Heiligen Krieg verstoße gegen die »christlichen und ökumenischen Prinzipien« des ÖRK. Man frage sich, so Generalsekretär Jerry Pillay, »ob diese Erklärung als eigene Positionierung der Russischen Orthodoxen Kirche aufgefasst werden kann«. Deshalb habe er Kyrill dringend um ein Treffen gebeten, »um diese Angelegenheit zu besprechen und Wege zu finden, wie auf die innerhalb der Gemeinschaft aufgekommenen Bedenken eingegangen werden kann«.
Sie haben bereits ein
-Abo? Hier anmelden

