Gottesfragen
Wer Freiheit sagt, sagt Gott
Nur wenige Experimente sind so berühmt geworden wie dieses: Um zu klären, ob der Mensch in seinen Handlungen frei sei, hatte der amerikanische Neurophysiologe Benjamin Libet Anfang der 1980er-Jahre seine Probanden angewiesen, zu einem jeweils selbstgewählten Zeitpunkt Bewegungen mit der Hand auszuführen. Parallel dazu maß der Forscher ihre Hirnströme und Muskelbewegungen, sodass er nicht nur den genauen Zeitpunkt der Körperbewegungen bestimmen konnte, sondern auch das sogenannte Bereitschaftspotenzial im motorischen Cortex (einem Bereich der äußeren Schicht des Großhirns). Das Ergebnis war verblüffend: Unter allen Bedingungen zeigte sich, dass das Gehirn die Bewegung der Hand bereits zu einem Zeitpunkt vorbereitete, zu dem der Proband selbst noch gar nicht die Absicht gehabt hatte, die Bewegung tatsächlich auszuführen. Mehr als 40 Jahre sind seit diesem Experiment vergangen, und immer noch gilt vielen das Libet-Experiment als Hinweis, dass es sich bei der Vorstellung freier Willensentscheidungen um eine Illusion handle. Nicht wir handeln, unser Gehirn handelt. »Uns« gibt es gar nicht. Das »Ich« ist eine neuronale Illusion, und die Sinneseindrücke, die diesem nicht vorhandenen »Ich« eine sinnvolle Welt vorgaukeln, beruhen auf Täuschung und Wahn.
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Joachim Negel, geboren 1962,ist Professor für Fundamentaltheologie an der Universität Fribourg (Schweiz). Wenn Sie eine Gottesfrage an ihn stellen wollen: [email protected],Betreff: Gottesfragen.

