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Ukrainische Geschichten (Teil 2)
Schwankender Radfahrer an der Grenze

Leben auf den Trümmern des Sozialismus, Erinnern und verordnetes Vergessen, Heimat und Krieg, Identität an der Grenze: Um all das geht es in der Literatur. Unter »Ukrainische Geschichten« stellen vier Menschen Bücher vor, mit denen sie das Land und seine Menschen tiefer verstanden haben.
von Bernhard Clasen vom 28.04.2022
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Jens Mühling: Schwarze Erde – Eine Reise durch die Ukraine. Rowohlt (2018). Taschenbuch. 288 Seiten. 12 € (Foto: pa/Karl Thomas)
Jens Mühling: Schwarze Erde – Eine Reise durch die Ukraine. Rowohlt (2018). Taschenbuch. 288 Seiten. 12 € (Foto: pa/Karl Thomas)

Wer wissen möchte, welche Bedeutung heute historische Themen in der Ukraine haben, wer sich gleichzeitig für Individualreisen interessiert und keine Lust auf trockene Geschichtsbücher hat, sollte »Schwarze Erde« von Jens Mühling lesen. Mühling hat die notwendigen Sprachkenntnisse und macht beim Reisen lebendige Persönlichkeiten ausfindig, die mit ihrer Lebensgeschichte ein Stück der Geschichte der Ukrainer vermitteln. Bedeutend ist für Mühling nicht nur der erste Blick, sondern auch der zweite, der dritte und der vierte. Und so beginnt seine Reise in die Ukraine mit vier Blicken auf das ukrainische Grenzdorf Schehyni: »Schehyni, das ukrainische Dorf auf der anderen Seite, unterschied sich auf den ersten Blick kaum vom polnischen Medyka«, schreibt er. »Auf den zweiten Blick fiel mir auf, dass die Kirchenkreuze hier einen Doppelquerbalken hatten, der den katholischen Kreuzen in Medyka fehlte. Auf den dritten Blick sah ich in den Gärten von Schehyni mehr Gemüse als Blumen wachsen – in den polnischen Gärten war es umgekehrt gewesen. Mein vierter Blick fiel auf die Uhr. Die Ukraine war Polen eine Stunde voraus.«

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Schlagwörter: Geschichte Literatur
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