Natürlich ist es eine Zumutung
Wenn es einen Verfassungsgrundsatz gibt, der über allen anderen steht, ist es die Menschenwürde. »Die Würde des Menschen ist unantastbar«, heißt es in Artikel 1 Grundgesetz. Es beruft sich damit auf die jüdisch-christliche Vorstellung des Menschen als Ebenbild Gottes genauso wie auf die Aufklärung sowie auf die Lehren aus den NS-Verbrechen. Menschenwürde in diesem Sinne bedeutet, der Mensch ist kein bloßes Objekt staatlicher Entscheidungen, unabhängig von seiner Herkunft, seinem Geschlecht oder seinem Alter. Es bedeutet auch, nicht die individuelle Freiheit ist das höchste Gut unserer Verfassung. Im Kontext von Menschenwürde ist Freiheit kein Privileg der Mehrheit, nicht das Recht des Stärkeren und auch kein Egotrip. Freiheit konstituiert sich stattdessen in einem rechtsstaatlichen Gemeinwesen, das auf Verantwortung und Solidarität, Vernunft und Moral basiert. Am Anfang des Grundgesetzes steht deshalb ein moralischer Imperativ.
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