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Interview von Papst Franziskus
Wenn das Orakel plaudert

Papst Franziskus gibt fünf Zeitschriften ein Interview. Dabei düpiert er Bischöfe, orakelt über den Krieg und offenbart seine Haltung zum Synodalen Weg. Ein erschreckendes Dokument, in Inhalt und Form. Ein Kommentar.
von Michael Schrom vom 22.06.2022
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Was denkt der Papst wirklich über den Kölner Kardinal? (Zeichnung: pa/dieKleinert/Paolo Calleri)
Was denkt der Papst wirklich über den Kölner Kardinal? (Zeichnung: pa/dieKleinert/Paolo Calleri)

Das Interview, das Papst Franziskus fünf europäischen Jesuiten-Zeitschriften gegeben hat, ist empörend und entlarvend. Sowohl inhaltlich als auch in Stil und Form. Zur Form: Es ist schlichtweg unanständig, seine Mitarbeiter so demütigend vorzuführen. Das gilt in erster Linie mit Blick auf Bischof Bätzing, aber auch das Verhalten gegenüber Kardinal Woelki ist mehr als merkwürdig. Ersterer wird als Gefährder der katholischen Identität dargestellt, Letzterer als Lügner. Nicht Woelki habe ihm seinen Rücktritt angeboten, stellt der Papst klar. Sondern er habe diesen eingefordert. Wenn dem so ist – warum in aller Welt nimmt er ihn dann nicht an? Das will er nicht, erläutert der Papst, denn er lasse sich von niemandem drängen, schon gar nicht von den Gläubigen an der Basis. »Ich habe ihn an seinem Platz gelassen, um zu sehen, was passieren würde, aber ich habe sein Rücktrittsgesuch in der Hand.« Was soll in Köln denn noch passieren? Oder denkt der Papst insgeheim: Woelki bringe mit seinen Tricksereien und seiner Amtsführung zwar sein Bistum gegen sich auf, aber er ist immerhin gegen den Synodalen Weg? Diesen Verdacht legen die theologischen Inhalte des Interviews nahe. Mit seiner Aussage, dass Deutschland »nicht noch eine zweite protestantische Kirche brauche«, zeigt Franziskus, dass er die grundsätzlichen anthropologischen, theologischen und gesellschaftspolitischen Themen, die auf dem Synodalen Weg von Bischöfen und Laien gemeinsam verhandelt werden, nicht verstanden hat. Wenn ihm dazu nur die Warnung vor der vermeintlichen Protestantisierung der katholischen Kirche einfällt, bedient er nicht nur konfessionelle Klischees. Er missachtet das Lebenswerk von Generationen hoch angesehener Theologinnen und Theologen, die sich in mühsamer Kärrnerarbeit daran gemacht haben, das Kirchentrennende Stück für Stück zu überwinden – und damit erstaunlich weit gekommen sind. Aus welchem Land, wenn nicht aus Deutschland, dem Ursprungsland der Reformation, sollen denn Impulse zur Überwindung und Heilung der Spaltung kommen? Aber der »theologischen Elite« vertraut der Papst ohnehin nicht, wie er freimütig bekennt.

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