Gesundheitswesen
Eine halbe Stunde bis zur nächsten Klinik
Kurz vor Ende der Sprechstunde kommt noch ein Mann in die Praxis von Alfred Schuller in Kirchensittenbach, einer 2000-Seelen-Gemeinde in Mittelfranken. Der 52-jährige Patient klagt über Unwohlsein. Alfred Schuller, ein stattlicher Mann mit Brille, braunen Haaren und grauem Stoppelbart, arbeitet seit 32 Jahren hier als Landarzt. Als er den Patienten untersucht, bemerkt er den rasenden Puls von mehr als 200 pro Minute. Schnell wird klar: Der Mann leidet an einer Herzrhythmusstörung, muss sofort ins Krankenhaus. Schuller beginnt mit der Akutversorgung, er macht schnell, bereitet alles vor für den Transport. Jede Minute zählt. Die Sanitäter kommen an, zehn Minuten später trifft der Notarzt ein. Doch es geht nicht los. Erst mal muss mit der Leitstelle telefoniert werden. Denn keiner weiß, welche kardiologische Intensivstation in der Nähe ein Bett frei haben könnte. Wertvolle Minuten verrinnen. Dann die Meldung aus einer Klinik in Nürnberg, ohne Blaulicht mehr als eine halbe Stunde Autofahrt entfernt. Schuller ist sauer. Wieder mal. »Diese Unterbrechung der Rettungskette ist unerträglich, aber seit zwei Jahren leider Alltag«, sagt er, als er von dem Fall erzählt.
Sie haben bereits ein
-Abo? Hier anmelden

