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Der blinde Fleck auf der Couch

Muss eine wissenschaftlich fundierte Psychotherapie in jedem Fall Spiritualität und Religion meiden? In Österreich ist darüber ein Streit entstanden, der von grundsätzlicher Bedeutung ist
von Ursula Baatz vom 10.04.2015
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Bunte Vielfalt: Ob klassische Psychoanalyse, Musiktherapie oder Körpertherapien – es geht um die Verminderung des Leidens (Foto: iStock/Getty/AleksandarNakic)
Bunte Vielfalt: Ob klassische Psychoanalyse, Musiktherapie oder Körpertherapien – es geht um die Verminderung des Leidens (Foto: iStock/Getty/AleksandarNakic)

Es ist ein ganz gewöhnlicher Morgen in einem Workshop zum Thema Vergangenheitsbewältigung. So wie am Vortag wird es hier in Graz an der Südgrenze Österreichs wieder um Geschichten von Partisanen, Kriegsgefangenen, KZ-Häftlingen, Überläufern und Verrätern gehen – um die Aufarbeitung von Familiengeschichten, in denen Traumata aus der Vergangenheit den Lebenden die Gegenwart schwer machen. Gut hundert Leute sind anwesend. Sie sitzen auf Sesseln im Halbkreis und warten, dass es anfängt. Vorne steht der Therapeut, in der Hand eine große Rahmentrommel, wie ein Schamane. Leise beginnt er zu trommeln und zu summen, dann geht das Summen über ins Morgengebet der Synagoge, ins Sch’ma Jisrael. Einige, die hier sitzen, haben einen jüdischen Hintergrund, sind aber nicht religiös. Manche beginnen leise mitzusingen, anderen rinnen Tränen über die Wangen; Tränen auch bei nichtjüdischen Teilnehmern, die nichts verstehen, die nur spüren können.

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