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Kloster Heiligenkreuz: Nun schaut der Vatikan genauer hin
Der Fall Waldstein und das »Wunder im Wienerwald«

Das österreichische Stift Heiligenkreuz und seine Hochschule wurden lange von Rom hofiert. Jetzt steht eine Visitation an.
von Till Schönwälder vom 04.09.2025
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Beschaulich: Zufahrt zum Stift Heiligenkreuz, 25 Kilometer südwestlich von Wien. (Foto: pa / Gerhard Wild)
Beschaulich: Zufahrt zum Stift Heiligenkreuz, 25 Kilometer südwestlich von Wien. (Foto: pa / Gerhard Wild)

Rekordzahlen bei Eintritten und Priesterberufungen, volle Hörsäle in der zum Kloster gehörenden theologischen Hochschule, hunderttausendfach verkaufte CDs der »singenden Mönche« samt Auftritt bei Thomas Gottschalk. Die Ordensmänner des Stifts Heiligenkreuz in Niederösterreich waren erfolgsverwöhnt. So sehr, dass sich selbst der Wiener Kardinal Christoph Schönborn 2015 dazu hinreißen ließ, das Wirken der 1133 gegründeten Zisterzienserabtei als »Wunder im Wienerwald« zu bezeichnen. Doch dann kam Anfang Juni die Meldung, das Stift müsse sich einer Apostolischen Visitation unterziehen. »Schatten auf Stift Heiligenkreuz«, titelte Österreichs größte Boulevardzeitung. Derzeit untersuchen der Benediktiner-Abtprimas Jeremias Schröder und die Generalsekretärin der Österreichischen Ordenskonferenz, Schwester Christine Rod, die Abtei im Auftrag des vatikanischen »Dikasteriums für das geweihte Leben«. Das Stift interpretiert die Visitation als »Ausdruck wohlwollender Unterstützung«. Der Jesuit und Vatikankenner Andreas Batlogg sieht es eher als Warnsignal: »Apostolische Visitationen sind eine Intervention von außen – wenn sich Probleme nicht mehr intern lösen lassen.« Es müsse etwas vorgefallen sein, »sonst wird Rom nicht aktiv«. Überprüft werden soll, »in welchem Maß geistliche Autorität in verantwortungsbewusstes und dienendes Handeln umgesetzt wird und wie innerhalb der Gemeinschaft mit Kritik, Anregungen und Rückmeldungen umgegangen wird, insbesondere im Hinblick auf Offenheit, Dialogfähigkeit und konstruktive Konfliktkultur«. Außerdem soll der Umgang mit »Vorwürfen von Missbrauch oder anderen schwerwiegenden Verfehlungen« untersucht werden. Seither wird gerätselt, was die Zeilen konkret zu bedeuten haben.

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