Gottesfragen
Die Bibel ist nicht Gottes Wort
Das Zweite Vatikanische Konzil hatte in seinem Bestreben, die Liturgie zu reformieren, unter anderem den Beschluss gefasst, »den Tisch des Wortes« (wie man damals sagte) reicher zu decken. Diese Entscheidung war aus einem ehrlichen ökumenischen Interesse gefallen. Denn in den Kirchen der Reformation war das biblische Wort deutlich höher wertgeschätzt als im nachtridentinischen Katholizismus. So erarbeiteten die Kommissionen für die Eucharistiefeiern nicht nur neue Leseordnungen, die etwa 20 Mal mehr biblische Texte anboten als bis dahin üblich; es etablierten sich auch Antwortrufe, von denen man im Nachhinein nicht recht weiß, ob man mit ihnen glücklich sein soll. »Wort des lebendigen Gottes«, sagt die Lektorin nach der Lesung, und die Gemeinde antwortet: »Dank sei Gott.« Und da hebt das Problem an: Möchte man in allem, was man da vorgelesen bekommt, wirklich Gottes höchsteigenes Wort vernommen haben?
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Joachim Negel, geboren 1962,ist Professor für Fundamentaltheologie an der Universität Fribourg (Schweiz). Wenn Sie eine Gottesfrage an ihn stellen wollen: [email protected],Betreff: Gottesfragen.

