Katholische Kirche in den USA
Die Hostienkrieger
Joe Biden ist erst der zweite katholische Präsident der USA, nach der ikonischen und tragisch kurzen Amtszeit von John F. Kennedy. Doch anstatt ein Gefühl von Einheit unter den Katholiken in diesem Land zu schaffen, hat seine Wahl eine der größten und reichsten katholischen Ortskirchen tief gespalten und erbitterte Opposition hervorgerufen. Auf ihrer Vollversammlung (United States Conference of Catholic Bishops, USCCB) im Juni debattierten die Bischöfe über den Vorschlag, ein Dokument über die Bedingungen für den Empfang der Eucharistie für Katholiken zu verfassen. Nach einer erbitterten Debatte stimmten 168 dafür, 55 dagegen, sechs enthielten sich (Publik-Forum 12/2021, Seite 43). Es bleibt abzuwarten, was in den kommenden Monaten passieren wird und welche Form das Dokument in der Schlussfassung annehmen wird. Doch die Absicht der meisten US-Bischöfe ist klar: Sie wollen katholische Politiker, die für die legale Abtreibung sind (»Pro-Choice«), vom Empfang der Eucharistie ausschließen. Das würde Präsident Biden, einen praktizierenden Katholiken, betreffen, aber auch die Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, etwa 60 katholische Kongressabgeordnete der Demokraten in Washington und Tausende »Pro-Choice«-Politiker auf bundesstaatlicher Ebene.
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Massimo Faggioli ist Professor für Theologie und Religionswissenschaft an der Villanova University (Philadelphia, USA). Im Januar erschien sein Buch »Joe Biden and Catholicism in the United States«. Übersetzung: Claudia Kotte.

