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Gottesfrage
Ein Gott der Liebe – und des Zorns

Der Theologe Joachim Negel beantwortet Fragen unserer Leserinnen und Leser. Diesmal geht es um die anstößigen Seiten des biblischen Glaubens.
vom 19.02.2024
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»Die Bibel stellt Gott oft als zornig vor« – wie passt das zum liebenden Gott? (Foto: istockphoto/Maxiphoto)
»Die Bibel stellt Gott oft als zornig vor« – wie passt das zum liebenden Gott? (Foto: istockphoto/Maxiphoto)

Die Bibel stellt Gott oft als zornig, strafend, ja als eifersüchtig vor. Das ist doch mit einem Gott, der die Liebe sein soll, unvereinbar. (Franz Groll)

»In eine Welt ohne Sünde brachte ein Gott ohne Zorn durch einen Christus ohne Kreuz eine Erlösung ohne Gericht« – mit diesem sarkastischen Spruch kritisierte der amerikanische Theologe Reinhold Niebuhr seinerzeit, was er »bürgerliche Religion« nannte. Wo die kirchliche Verkündigung sich darin erschöpfe, das mitmenschliche Klima und das Wohlbefinden des Einzelnen im Namen eines an jedem unendlich interessierten Gottes zu befördern, da riskiere sie, das Anstößige und Rigorose des biblischen Glaubens zu verraten. Nicht zufällig, so Niebuhr, gehe Jesu Botschaft vom Barmherzigen Vater, der über Guten und Bösen gleichermaßen die Sonne aufscheinen lasse, immer einher mit deutlichen Hinweisen auf das bevorstehende Gericht. Es gelte, den Ernst der Situation zu begreifen, in die jeder Christenmensch gestellt sei: zu entscheiden, auf welcher Seite man stehen wolle. Auf der der Gleichgültigen, die durch ihre Indifferenz zuletzt das Geschäft der Mächtigen und Bösen beförderten; oder auf der der Geringen und Verachteten, in denen Er, Christus, sich auf besondere Weise zeige? Jesu Reich-Gottes-Botschaft, so Niebuhr, verbiete es, von vornherein mit einer Versöhnung und Entsühnung für alles zu rechnen, was wir tun und lassen. Es könne in einer verbürgerlichten Kirche bisweilen angeraten sein, daran zu erinnern, dass die Christen sich »in Furcht und Zittern« um das Heil zu bemühen hätten: sowohl um das eigene als auch um das der Welt.

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