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Religiosität
Fromme Magersucht

Christliche Frauen, die das Essen verweigerten, galten jahrhundertelang als besonders erwählt. War es Ausdruck einer krankmachenden Kirche oder Zeichen religiöser Emanzipation?
von Kirsten Serup-Bilfeldt vom 06.07.2025
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Wunder oder Betrug? Rudolf Virchow wollte die hungernde Louise Lateau nicht untersuchen. (Gemälde: François Sodar, 1869, via Wikipedia)
Wunder oder Betrug? Rudolf Virchow wollte die hungernde Louise Lateau nicht untersuchen. (Gemälde: François Sodar, 1869, via Wikipedia)

Eine alberne Posse? Grober Unfug? Oder ein handfester Betrug? Was immer es sein mag – der berühmte Pathologe und Arzt Rudolf Virchow verspürt im Jahr 1874 nicht die geringste Lust, dem Drängen der katholischen Presse nachzugeben und eine Reise zu dem belgischen Ort Bois d’Haine anzutreten, um dort eine »Observation« durchzuführen. Soll heißen: um die angeblich jahrelange Nahrungsverweigerung und die Stigmata der Louise Lateau zu begutachten. In seiner Absage verweist Virchow denn auch kühl auf seine langjährigen Erfahrungen mit »Simulationen, Schlichen und Winkelzügen«, die er als Mediziner bei der Behandlung kranker Gefangener hatte sammeln können: »Ich werde es immer ablehnen, mich in das Haus zu Bois d’Haine zu setzen, unter Bedingungen, welche andere Personen aufstellen.« So die gelassene, vernunftbetonte Antwort eines Naturwissenschaftlers des 19. Jahrhunderts.

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Schlagwort: Fasten
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