Geist & Sinn
Mit Hiob im Widerstand
Wer im biblischen Hiob-Buch nun schlecht wegkommt, ist doch sehr die Frage: Der leidende Held mit dem schlichten Gemüt? Die Freunde, die, statt zu trösten, letztlich doch bloß sagen, irgendwas wird ja schon gewesen sein? Oder der HERR selbst, der seinen ergebenen Getreuen wegen einer Wette mit Satan erst gehörig unter die Räder kommen und danach lange schimpfen lässt, um sich zum Schluss jegliche Kritik zu verbitten? Lange war es eine frauenfeindliche Tradition in der Auslegung, Hiobs Frau zu schmähen. Erscheint es doch wie Häme, als sie dem in der Asche Hockenden, der mit einer Scherbe seine Geschwüre schabt, entgegenschleudert: »Was hältst du noch an deiner Frömmigkeit fest? Sage Gott ab und stirb!« Eine fiese Alte, die Hiob just in den Rücken fällt, als er Zuspruch am dringendsten braucht. Doch ausgerechnet sie erscheint im Gemälde des lange vergessenen lothringischen Barockmalers Georges de La Tour (1593-1652) als Lichtgestalt, zumindest in den Augen des französischen Dichters René Char (1907-1988). In Chars Feuillets d’Hypnos, seinen von Paul Celan ins Deutsche übertragenen Aufzeichnungen aus dem Maquis (1943-1944), stoßen wir auf eine andere Interpretation von Hiobs Frau.
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Udo Feist, geboren 1963, ist evangelischer Theologe und freier Journalist in Dortmund.

