Psalm 88 in Zeiten von Corona
Versuch einer Verheutigung des Psalms 88, ein Versuch, die Klage vor Gott wieder ins Gespräch zu bringen:
HERR, du Gott, der mich retten soll, bei Tag und Nacht schrei ich vor dir.
Lass mein Beten vor dein Angesicht kommen, öffne dein Ohr meinem Rufen!
Denn ich bin satt von Leid, mein Leben ist nur einen Schritt vom Tod entfernt.
Mein Atmen ist nur noch ein Röcheln;
wie Glasscherben schneidet jeder Atemzug in meine Lunge.
Schon zähle ich zu denen, die fürs Grab bestimmt sind,
bin ein Mensch, in dem keine Kraft mehr ist,
hinuntergestoßen zu den Toten, den Erschlagenen.
Du denkst nicht mehr an die, die im Grab liegen, deine Sorge geht an ihnen vorbei.
Du bringst mich ins tiefste Grab, in Finsternis unter der Erde.
Nur noch deine Wut liegt auf mir, wie eine Schlammlawine erdrückst du mich.
Meine Freunde besuchen mich nicht. Sie haben mich vergessen?
Da ist niemand, der meine Hand hält, wenn mich die Verzweiflung erfasst.
Auch die Ärzte meiden mich, sie haben keine Hilfe.
Meine Freundin ist die Atemmaschine,
leblos und kalt, bereit, abgeschaltet zu werden.
Meiner Familie bin ich ein Abscheu, ein Seuchenträger.
Gefangen bin ich und komm nie mehr heraus.
Mein Auge wird schwach vor Elend.
Den ganzen Tag, HERR, ruf ich zu dir, händeringend.
Wirst du an den Toten Wunder tun, wird meine Asche aufstehn, um dir zu danken?
Erzählt man im Grab von deiner Liebe, von deiner Treue im Totenreich?
Werden deine Wunder in der Finsternis erzählt,
deine Gerechtigkeit im Land ewigen Vergessens?
Publik-Forum EDITION
»Das Ende des billigen Wohlstands«
Wege zu einer Wirtschaft, die nicht zerstört.»Hinter diesem Buch steckt mein Traum von einer Wirtschaft, die ohne Zerstörung auskommt. / mehr
Ich aber, HERR, ich schreie zu dir um Hilfe,
meine Bitte soll zu dir kommen wie das Morgenrot zum Tag,
wenn die Qualen der Nacht verblassen,
nur um neuen Schmerzen des Tages Platz zu machen.
Warum, HERR, verstößt du mich, ziehst dich von mir zurück?
Elend bin ich, unter deinen Schrecken erstarrt mir jedes Gefühl.
Dein Zorn hat mich verbrannt, deine Schrecken haben mich vernichtet.
Die Schmerzen, die du geschickt hast, ständig durchfluten sie mich wie Wasser.
Da ist kein Entrinnen.
Meine Familie, meine Freunde hast du verjagt.
Meine Vertrauten: die Atemmaschine und die Finsternis.
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Dies ist ein Beitrag im Rahmen des Erzählprojektes von Publik-Forum »Die Liebe in Zeiten von Corona«. Wir laden unsere Leserinnen und Leser ein zu unserem Erzählprojekt: Bitte schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen, Nöte, Ängste und Ihre Zuversicht in Zeiten von Corona.
