Tebartz kommt nicht zurück
Der aus dem Bistum Paderborn entsandte Grothe war dort mehr als zwanzig Jahre Finanzchef. Ein Mann, der vielen in und um Paderborn Eindruck machte. Hans-Georg Hunstig, aus dem Bistum Paderborn stammender Jurist und lange Jahre schon Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, beschreibt Grothe als »ruhig, sachgerecht, fleißig, immer mitdenkend, nie aufdringlich«.
Besonders schätzen gelernt habe er, Hunstig, Manfred Grothe aber vor allem in den zurückliegenden drei Jahren: »Grothe hat den Erzbischof von Paderborn im kirchlichen Dialogprozess vertreten. Er war in Stuttgart, Hannover und Mannheim bei den großen Treffen dabei. Zuerst war ich enttäuscht, dass der Erzbischof nicht selber kam. Aber dann habe ich seinen Weihbischof schätzen gelernt«, erinnert sich Hunstig. Der Mann habe das Gespräch nicht nur aus formalen Gründen gesucht. Ganz im Gegenteil habe er immer großen Wert darauf gelegt, bei Auswertungen, abendlichen Runden und Vorüberlegungen für die nächsten Treffen dabei zu sein. Grothe habe den Kontakt gesucht und sei menschlich ansprechbar gewesen. So erinnert sich Hunstig in einem Telefonat mit Publik-Forum.de.
In Limburg, während der Pressekonferenz am Nachmittag des 26. März, bestätigt sich dieser Eindruck. Grothe spricht von »Versöhnung, die nur im freimütigen Austausch« unterschiedlicher Positionen gelingen könne. Man müsse das, was man denke und fühle, in einem Konfliktgespräch »immer transparent machen«, sonst werde man nicht dazu kommen, Gräben zu überspringen. Wolfgang Rösch, sein frisch ernannter Ständiger Vertreter (und bis dato Generalvikar im Bistum Limburg) erklärte, man sei in dem begonnen Versöhnungsprozess »schon ein gutes Stück gereift«.
Faktisch eine Abberufung – nicht wirklich ein Rücktritt
Dass für den – offenbar erzwungenen – Rücktritt von Tebartz nicht nur der Finanzskandal um den Aus- und Umbau des Bischöflichen Hauses verantwortlich ist, hatte bereits der Papst am Mittag in Rom deutlich gemacht. Grothe bestätigte dies am Nachmittag in Limburg, legte aber auch nochmals den Finger in die Wunde eben jener Finanzierung der Bauarbeiten. Tebartz habe viele Fehler gemacht, aber, so Grothe: »Man kann nicht von der Alleinschuld eines Einzigen sprechen.« Ein entscheidender Satz (!), der – ohne dass der Name fiel – nochmals nach der Rolle des Ex-Generalvikars Franz Kaspar fragen lässt, der sich in der Hoch-Zeit des Konflikts elegant in den Ruhestand verabschiedet hatte.
Grothe nannte in Limburg Roß und Reiter: Zuerst einmal sei da die »Fehleinschätzung« des Bischofs und seiner Berater gewesen, man könne ein solches Projekt mit einer Investitionssumme von vielen Millionen Euro »am Ordinariat vorbei« durchziehen. Zum Zweiten habe sich das Limburger Domkapitel irgendwann »seiner Kontrollaufgabe entzogen«. Und zum Dritten habe der Vermögensverwaltungsrat versagt: Man habe ihm einerseits zwar keine Informationen mehr gegeben, andererseits seien diese Informationen aber auch nicht aktiv eingefordert worden: »Und das hätte der Verwaltungsrat unbedingt tun müssen«.
Der Pastoraltheologe Tebartz versagte pastoral
Als Hauptgrund für die Nicht-Rückkehr des Franz-Peter Tebartz-van Elst führt der Papst pastorale Gründe an. Wenn man Grothe am Nachmittag zuhörte, konnte man kurzzeitig den Eindruck gewinnen, es seien doch vor allem die finanziellen Fehlentscheidungen gewesen, die den Ausschlag gaben. Doch Grothe, der Finanzexperte und Verwaltungsfuchs, war auf dem Gebiet dieser Finanzfragen nur besonders eloquent und trittsicher. Das durfte nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch er sieht, welche seelsorgliche Situation im Bistum eingetreten ist: Tebartz-van Elst hat das Vertrauen vieler Katholikinnen und Katholiken seines Bistums verloren. Grothe bestätigte den Papst: Das Verhältnis zwischen Bischof uns Basis sei zerrüttet.
Nun hat im Bistum Limburg die Sedisvakanz begonnen, jene Zeit, in der der Bischofsstuhl in der Diözese nicht besetzt ist. Der Apostolische Administrator hat Wolfgang Rösch, den Krisenmanager der zurückliegenden Monate, an seiner Seite. Damit sind vorerst gute Arbeitsbedingungen garantiert. (Weiter auf S. 2.)
Wie schnell ein neuer Bischof vom Domkapitel gewählt und vom Papst ernannt werden wird, steht nicht fest. Grothe sagte, das Bistum müsse sich nun erst einmal konsolidieren, »die, die jetzt da sind, muss man erst mal arbeiten lassen«. Damit meinte er natürlich auch sich selbst. Er – jener Mann, der der Vorsitzende der Kommission zur Prüfung des »Falles Limburg« war – ist nun in der Lage, aus seinem reichen Wissen eine zukunftsweisende Arbeit für das Bistum zu machen. Freilich ohne dem künftigen Bischof vorzugreifen: »Ich darf keine irreversiblen Fakten schaffen.«
Was mit Tebartz selbst wird, das ließ der heutige Tag offen. »Zu einem späteren Zeitpunkt« werde man das sehen, hieß es aus Rom. In Limburg war das heute wohl vielen weniger wichtig als die vorläufige Rettung des Bistums.
