Nigeria
Unglück als Hexenwerk
Ein Kinderheim mit solchen Bewohnern habe ich noch nie gesehen. Zwei Drittel der 41 Schutzbefohlenen leben hier, weil sie als »verhext« bezeichnet und verstoßen wurden, von ihrer Familie, von Nachbarn oder von Pastoren. Samuel kam vor 15 Jahren hierher. Er war das erste Kind, das im Way to the Nations Children’s Shelter in Eket im nigerianischen Bundesstaat Akwa Ibom aufgenommen wurde. Sein Vater hatte ihn mit drei Jahren aus dem Haus geworfen, als seine Ehe zerbrach und seine Frau dann auch noch starb. Die Dorfältesten machten ihn als drei Jahre alte »Hexe« verantwortlich für das Unglück. Die Dorfältesten verlangten immer wieder, er solle sich als verhext bekennen und andere Hexen outen. Dorfjugendliche folterten ihn und andere Straßenkinder mit Macheten, mit heißem Öl, durch Festketten auf dem Dorfplatz. Viele Freunde starben dabei, erzählt mir Samuel. Auch bei seinem Onkel fand er keine Aufnahme, denn auch dessen Frau sah ihn als unglückbringende Hexe. Er verlor alles Vertrauen in andere Menschen.
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Ulli Schauen ist freier Journalist in Köln und berichtet regelmäßig aus afrikanischen Ländern.

