Ökumenischer Rat der Kirchen
Wider die billige Einheit
Als der Berliner Theologe Helmut Gollwitzer von einer Tagung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) im Jahr 1966 zurückkam, hatte er eine eindringliche Erfahrung zu verdauen: Ein Christ aus Mosambik, das damals noch gegen die Kolonialmacht Portugal kämpfte, hatte ihm stracks erklärt: »Du bist nicht mein Bruder!« Als Europäer sei er verstrickt in die neokoloniale Ausbeutung der Industrieländer. Bruder könne er erst werden, wenn er sich von dieser Praxis löse. Gollwitzer war nicht düpiert, sondern stellte sich der Herausforderung: Zwei Jahre später war er bei der bisher letzten Vollversammlung des ÖRK auf europäischem Boden in Uppsala 1968 dabei; im selben Jahr erstattete er der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) einen leidenschaftlichen Bericht von dort und sprach über »die Verantwortung der Christenheit für die Entwicklungspolitik und die drohende Welthungerkatastrophe, die schon begonnen hat«. Die Synode beschloss daraufhin, wie von der ÖRK-Vollversammlung gefordert, zwei Prozent aller Haushaltsmittel für die kirchliche Entwicklungshilfe bereitzustellen.
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ÖRK-Vollversammlung 2022
