Martin Walsers Gottesprojekt
Es wird im Frühjahr 1985 gewesen sein. Eines meiner damaligen Gespräche mit Schriftstellerinnen und Schriftstellern im Auftrag von Publik-Forum hatte mich auch zu Martin Walser geführt. Ich wollte auch ihn befragen, welche Rolle »Religion« in seinem Werk und in seinem Leben spielt. Wir treffen uns in einem Wiesbadener Hotel nach einer Lesung. Es ist relativ spät am Abend. Aber vielleicht sind es diese wenigen Stunden vor Mitternacht gewesen, die unser Gespräch besonders eindrücklich gemacht haben. 25 Jahre ist das her, aber unvergessen. Und wenn ich Walsers Antworten von damals heute wieder lese (unser Gespräch erschien in Publik-Forum am 19. April 1985), und zwar im Lichte des in diesem Jahr erschienenen Walser-Romans »Muttersohn«, bin ich überrascht, wie viele Motive in Sachen Religion sich seither durchgehalten haben.
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Karl-Josef Kuschel ist katholischer Professor für Theologie der Kultur und des interreligiösen Dialogs an der Universität Tübingen sowie stellvertretender Direktor des dortigen Instituts für Ökumenische Forschung.

