Fischesterben in der Oder
Der getötete Fluss
Seit zwei Tagen schon regnet es in Kędzierzyn-Koźle (Kandrzin-Cosel), einer Stadt in der südpolnischen Industrieregion Oberschlesien. Im Zuge der jüngsten Umweltkatastrophe an der Oder geriet die Stadt kurzzeitig in den Fokus: Im Gleiwitzer Kanal, einem größeren Oder-Zufluss, tauchten Anfang Juli auf ihrer Höhe zahlreiche tote Fische auf. Gut zwei Wochen später wurden tonnenweise Fischkadaver aus der Oder gezogen. Nach einer Analyse von Wasserproben wies die lokale Wasserbehörde zwar einen Zusammenhang zurück, doch ein Blick auf die Industriebetriebe in und um Kandrzin-Cosel – eine große Kokerei etwa, in der Kokskohle verfeuert wird, ein großer Stickstoff-Hersteller – sowie ein Blick in die Oder und den Gleiwitzer Kanal selbst zeigen: ein Zusammenhang ist zumindest möglich. Die Gewässer sind schmutzig, sie stinken, und auch wenn kein toter Fisch zu sehen ist: »Jeder in der Stadt weiß, was da alles an Dreck in den Fluss fließt«, sagt Anna, die als Verkäuferin in der Stadt arbeitet, zuvor aber einige Jahre auf einer Oder-Fähre beschäftigt war. »Ich bin einmal in das Oder-Wasser gefallen. Passiert ist mir nichts – aber das ist nicht zu empfehlen«, sagt sie und verzieht ihr Gesicht.
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Jan Opielka ist freier Journalist. Er lebt in Polen.

