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Zukunft der Demokratie
Die Kunst, einander zu befremden

Wir verlernen, auch das auszuhalten, was uns empört. Dabei braucht die Demokratie die Zumutung des anderen. Gerade die Kirchen könnten zu Anwältinnen des Befremdens werden.
von Matthias Drobinski vom 08.04.2026
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Dass andere Menschen uns fremd sind, ist eine Zumutung. Gerade die braucht es aber für eine Demokratie. (Illustration: istock by Getty / Anton Vierietin)
Dass andere Menschen uns fremd sind, ist eine Zumutung. Gerade die braucht es aber für eine Demokratie. (Illustration: istock by Getty / Anton Vierietin)

Fast alle Menschen haben Fremdenangst, und das ist auch gut so. Zwischen dem sechsten und dem achten Lebensmonat lernen kleine Kinder, zwischen vertrauten und nicht vertrauten Menschen zu unterscheiden. Sie fürchten sich, weinen und klammern, wenn ihnen jemand fremd vorkommt. Das gibt sich wieder, der Reflex aber bleibt. Fremd aussehende Menschen, überraschende Situationen, ungewohnte Gegenden, Dunkelheit, das alles verursacht Unbehagen, erhöht die Anspannung und die Aufmerksamkeit. Evolutionsbiologisch ist das absolut sinnvoll: Fremdes und Unbekanntes birgt häufig Gefahr. Unvorsichtig, gar naiv einfach ins Unbekannte zu gehen, war zu Säbelzahntigerzeiten oft tödlich und ist auch heute noch tendenziell unklug.

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