Endstation Pforte
Asperger Straße 60, Stuttgart-Stammheim. Das Navigationsgerät im Auto zeigt eine Fahrzeit von zweieinhalb Stunden an. An der Torwache der Justizvollzugsanstalt (JVA) wird an diesem Morgen um 11 Uhr Schwester Vera warten, 56, Franziskanerin. Zusammen mit einer Kollegin und zwei Kollegen ist sie Seelsorgerin für 800 Gefangene. Das baden-württembergische Justizministerium hat uns, einem Fotografen und einer Journalistin, genehmigt, sie an ihren Arbeitsplatz zu begleiten, trotz Corona-Beschränkungen. Nur: Die Einlassgenehmigung liegt nicht vor. »Ohne das Papierchen kein Durchkommen an der Torwache«, hat sie uns am Vorabend mitgeteilt. Also? Losfahren auf gut Glück! Um 8.57 Uhr, auf der Autobahn kurz vor Darmstadt, vibriert das Handy. Auf dem nächsten Parkplatz lese ich die Nachricht: »Die Genehmigung ist im Haus unterwegs. Ich gehe stark davon aus, dass der Termin klappt. Gute Fahrt!« Ich bin erleichtert. Es heißt also nicht »Endstation Pforte« für mich. Ich bin den Veränderungen auf der Spur, die das Corona-Virus verursacht hat: Ist Seelsorge hinter Gittern und Türen möglich geblieben? Was hat sich seit Mitte März getan? Und was nicht?
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Die Corona-Krise
