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Krieg in der Ukraine
Die Verrückung

Putins Raketen und Panzer bringen das bisherige Selbstverständnis in Deutschland ins Wanken. Aber so schwach, wie der Diktator im Kreml vermutet, ist der Westen nicht. Ein persönlicher Essay.
von Constantin Wißmann vom 03.03.2022
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Wie in einer Zeitmaschine des Horrors: Putins Panzer schießen uns in eine überwunden geglaubte Epoche zurück. (Foto: pa/Bihlmayer)
Wie in einer Zeitmaschine des Horrors: Putins Panzer schießen uns in eine überwunden geglaubte Epoche zurück. (Foto: pa/Bihlmayer)

Der Erste Weltkrieg war gerade vorbei, als der irische Dichter und Nobelpreisträger William Butler Yeats 1919 diese Zeilen schrieb: »Drehend und drehend in immer weiteren Kreisen, hört der Falke seinen Falkner nicht; alles zerfällt, die Mitte hält nicht mehr; und losgelassen Anarchie, und losgelassen blutgetrübte Flut, und überall ertränkt das strenge Spiel der Unschuld; die Besten haben keine Überzeugung mehr, die Schlimmsten sind von Kraft der Leidenschaft erfüllt.« Yeats selbst hatte hautnah erlebt, wie der irische Bürgerkrieg 1916 blutig niedergeschlagen wurde, und sah nun aus der Ferne zu, wie die Bolschewiken das Zarenreich Russland auseinanderrissen. All das weckte in ihm ein beunruhigendes Gefühl von unumkehrbarer Veränderung. Die Welt war aus den Fugen, sie war im Wortsinn ver-rückt.

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