Eine Beichte am Geburtstag
Jetzt sitzt er – an seinem 65. Geburtstag – zusammen mit Gisela Mayer vom Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden und dem ehemaligen Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch auf einem Podium zum Thema »Glauben und Zweifeln nach persönlichen Krisen«. Gisela Mayer und Robert Zollitsch erzählen, wie sie nach entsetzlichen Tragödien ihren inneren Frieden gefunden haben. Genauer gesagt: Wie ihnen innerer Friede geschenkt wurde. Frau Mayer erzählt von jenem Tag, als ihre Tochter, die als Referendarin in der Albertville-Realschule von Winnenden lehrte, vom Amokläufer Tim K. erschossen wurde.
Robert Zollitsch berichtet von seinen Erinnerungen, die ihn bis heute verfolgen: Wie er als Kind mit ansehen musste, wie sein Bruder im Krieg von Partisanen hingerichtet wurde.
Als Middelhoff an die Reihe kommt, zieht er eine klare Trennlinie. Er will sein Schicksal nicht in eine Reihe stellen mit dem von Frau Mayer und Herrn Zollitsch. Das ehrt ihn. Middelhoff sagt: Einen geliebten Menschen durch die Taten anderer zu verlieren, sei ungleich schlimmer als das, was er erlebt habe. »Ich habe mein Ansehen, mein Vermögen und meine Ehe verloren. Aber durch meine eigenen Taten.« Es ist ein bemerkenswertes Bekenntnis.
Middelhoff erzählt, wie er in der Justizvollzugsanstalt zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder zum Beichten ging. Und fügt hinzu: »In einem Managerleben kommt einiges zusammen. Das können Sie sich ja denken.« Und wie er die Überlegungen von Anselm Grün zur Klosterzelle in Analogie setzte zu seiner Zelle in der JVA. »Irgend jemand hat mich gezwungen, nach innen zu schauen.« Das sei heilsam gewesen. Middelhoffs Beichte endet versöhnlich: »Gott hat mich auf einen Weg zurückgeführt, den ich dummerweise verlassen habe.«
Im Hörsaal ist es so still, dass man eine fallende Stecknadel hören würde. Dann singt Judy Bailey: »Lass die Liebe das letzte Wort haben.«
