Münster – Aachen – Münster
Der Katholikentag nahm an Christi Himmelfahrt so richtig Fahrt auf. Die Organisatoren präsentierten gleich zwei politische Schwergewichte in der Halle Münsterland: Zuerst war Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf dem Podium und danach Kolumbiens Präsident, der Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos.
Zur selben Stunde gab es andernorts auch eine Veranstaltung von hoher geistiger Kraft: die Verleihung des Karlspreises in Aachen. In diesem Fall ging es um den Geist, in dem Europa weiter ausgeformt werden könnte. Der diesjährige Preisträger, Emmanuel Macron, trug voll geistiger Frische seine Ideen von Europa vor, während Bundeskanzlerin Angela Merkel ihm zeitweise sauertöpfisch lauschte.
Papst Franziskus hatte 2016 den Karlspreis verliehen bekommen und von einem »heruntergekommenen Europa« gesprochen. »Was ist mit dir los, humanistisches Europa?« Diese Frage war sein Weckruf.
Und nun, zwei Jahre später, stand hier ein äußerst aufgeweckter Macron. »Chere Angela«, sprach er sie an, man brauche jetzt eine Vision von Europa für die nächsten 30 Jahre, um ihr dann in kleinen Schritten näherzukommen. »Wir brauchen eine wirkliche Reform, nicht eine in Anführungszeichen.«
Macron sprach leidenschaftlich. Was er sagte, war für die Kanzlerin nicht angenehm. Er kritisierte den »Fetischismus« der Deutschen, nämlich Handelsüberschüsse und eine strenge Haushaltsführung. Das gehe immer auf Kosten anderer.
Zurück vom Karlspreis ins katholische Münster. Bundespräsident Steinmeier sprach auf dem Katholikentag nach dem jüngsten amerikanischen Alleingang, den Atomvertrag mit Iran zu brechen, auch von Europa. Und zwar ähnlich drängend wie Macron. Man habe nur noch sieben Monate Zeit, um endlich Reformen einzuleiten, mahnte er. Dann sei Wahlkampf für die Wahl des Europaparlaments 2019 und keine Zeit mehr für Beschlüsse. »Es kommt jetzt darauf an, Reformen zu beschließen.«
Und was den Geist angeht: Vom Karlspreis und vom Katholikentag ging derselbe Impuls aus: Europa erneuern, um es zu stärken!
