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Freundlich, offen, unentschieden

Der Deutsche Evangelische Kirchentag war arm an Streit und Konflikten, jedoch reich an Feiern und Kultur. Ein bisschen scheint ihm das Salz auszugehen. Kein Wunder, dass sich viele Politiker aus Regierung und Opposition auf dem Kirchentag wie bei einem Heimspiel fühlen konnten
von Thomas Seiterich vom 05.05.2013
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Immer wenn ein Kirchentag sich dem Ende zuneigt, treffen sich all die ausgeschwärmten Redakteurinnen und Redakteure von Publik-Forum spät abends, gegen 22.30 Uhr, im Hotel. Wir haben dann »Sitzung«, eine ganz besondere Redaktionskonferenz, bei der es meistens lustig und sehr kreativ zugeht. Reihum erzählt jede und jeder von den Müden und Abgekämpften, was sie oder er die letzten Tage über so erfahren und erlebt hat –, auf eben jener inhaltlichen Fährte, die sie oder er diesmal zu verfolgen hatte.

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Uns so rundet sich das Bild. Aus den vielerlei, teils widersprüchlichen Erfahrungen entsteht ein Gesamteindruck –. angesichts der schier überwältigenden Vielfalt des größten Dialogtreffens, das es regelmäßig in der deutschen Zivilgesellschaft gibt.

Erste Bilanz: Dieser Kirchentag ist weit entfernt von den bekenntnisfreudigen, hitzigen Kirchentagen früherer Jahre. Damals trugen die Kirchentagsbesucher die lila Tücher der Frauengerechtigkeitsbewegung, es wurde ein »Nein ohne jedes Ja« zur Atomrüstung eingefordert oder für die Entschuldung der Dritten Welt getrommelt. Es gab einen Bekenntnisdruck – doch heute ist alles ganz anders. Der Kirchentagsbesucher ist meist auf dem Sprung, sie oder er hat das Handy dabei und telefoniert sehr häufig. Man ist ganz entspannt, doch äußerst mobil auf diesem Hamburger Kirchentag.

Hamburg, die Nordmetropole, verdaut so einen Kirchentag ganz locker. Was sind schon 150 000 Kirchentagsbesucher gegen die rund 1,2 Millionen Festgäste, die ein Wochenende später im Mai zum großen Hafenfest erwartet werden? In Hamburg ist nur noch ein Drittel der Bürger Mitglied der evangelischen Kirche. Rund zehn Prozent sind Katholiken. Addiert man beide Zahlen, bilden die Christen immer noch klar eine Minderheit. Hamburgs evangelische Bischöfin Kirsten Fehrs wirbt deshalb für eine große Koalition der Religionen. Dazu gehören neben den Christen die jüdischen Gemeinden und die aufgeschlossenen Gemeinschaften im Islam. Sie alle treten an gegen die Gottvergessenheit – alle Religionen gemeinsam. So wie auch der Religionsunterricht in Hamburger Grundschulen für alle Kinder aller Religionen gemeinsam ist. Darin ist die Metropole im Norden dem Rest der Bundesrepublik weit voraus.

Der Kirchentag zeigt ein sympathisches Deutschland: Es gibt offenbar viele Frauen und Männer, Jugendliche und Kinder, die an ihren Wohnorten für Gerechtigkeit, ökologische Umkehr und eine menschenfreundliche Kirche arbeiten.

Die Verantwortlichen des Evangelischen Kirchentags zeigen sich selbstbewusst. Sie wollen »Konsense« erarbeiten, im fairen Kirchentagsdialog, die dann »Brücken« schlagen sollen, wie sie unser Staat und unsere Gesellschaft brauchen.

Doch dabei bleibt die kritische Funktion des Kirchentages auf der Strecke, also die »kritische Zeitansage«. Konflikte werden kaum je auf die Spitze getrieben, Streitgespräche werden allzu oft »zumoderiert«, im Bestreben, allgefälligen Frieden herzustellen. Doch das ist es genau nicht, was diese Gesellschaft auf dem Weg in die Inklusion der vielen Kulturen und Religionen braucht.

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Personalaudioinformationstext:   Thomas Seiterich ist Publik-Forum-Redakteur. Er wird in der kommenden Print-Ausgabe (erscheint am Freitag, 17. Mai 2013) , noch einmal ausführlich den Kirchentag analysieren – und mit ihm werden dies weitere Kolleginnen und Kollegen in einem mehrseitigen Sonderteil tun.

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Schlagwort: Kirchentag
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