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Aufbruch in das Land des Zorns

Die Nachrichten aus Kairo lassen mich schlucken: An die zwanzig Tote bei neuen Unruhen. So hatte ich mir den Countdown für meine Ägypten-Reise nicht vorgestellt. Bis zum 12. Mai werde ich in dem Land unterwegs sein, das der Arabischen Revolution die größte Hoffnung gibt
von Elisabeth Zoll vom 07.05.2012
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Elisabeth Zoll reist bis zum 12. Mai 2012 durch Ägypten. Wenige Tage vor den entscheidenden Präsidentschaftswahlen ist das Land im Ausnahmezustand. Unruhen begleiten die Vorbereitung der Wahl, die Ägypten in die Demokratie führen soll. (Fotos: pa/dpa/Khaled Elfiqi; Pressefoto Zoll)
Elisabeth Zoll reist bis zum 12. Mai 2012 durch Ägypten. Wenige Tage vor den entscheidenden Präsidentschaftswahlen ist das Land im Ausnahmezustand. Unruhen begleiten die Vorbereitung der Wahl, die Ägypten in die Demokratie führen soll. (Fotos: pa/dpa/Khaled Elfiqi; Pressefoto Zoll)

In Ägypten brodelt es seit Langem. Doch die blutigen Ausschreitungen der zurückliegenden Tage zeugen von den immer massiver werdenden Konflikten vor der entscheidenden Wahl am 23. Mai. In wenigen Stunden schon werde ich am Tahrir-Platz stehen, an dem sich nicht nur das Schicksal des alten Mubarak-Regimes entschieden hat. Das Herz Kairos sandte Stoßwellen in den gesamten arabischen Raum. Die zornige Jugend Ägyptens lehrte Diktatoren das Fürchten. Doch was folgt auf den Zorn, der ein Regime zum Einsturz brachte? Diese Frage treibt mich um.

Erinnerungen an die Zeit vor gut zwanzig Jahren werden wach, als in unserer Nachbarschaft friedliche Demonstranten Staats- und Blockgrenzen einrannten. Auf die Euphorie der Wendezeit folgten harte Jahre, Enttäuschung, aber auch neue Lebensperspektiven.

Wird das auch für die Menschen in Ägypten gelten? Werden sie ein gerechteres System aufbauen können? Der Streit um die neue Machtverteilung ist 17 Tage vor der Präsidentschaftswahl voll entbrannt. Liberale, Islamisten und das allmächtige Militär kämpfen um Pfründe. Werden sich die in Demokratie so ungeübten Machtzentren tatsächlich dem Wählerwillen beugen? Und wird sich vor allem das Militär einer zivilen Kraft unterstellen? Es hat ja nicht nur politischen Einfluss, sondern um erhebliche wirtschaftliche Macht.

Viele Fragen nehme ich mit, manchen Vergleich und noch mehr Bilder, die sich mit Gehörtem und Gelesenem in den vergangenen Monaten entwickelt haben. Was wird davon bleiben? Und wie kehre ich zurück aus einer Region, die zu den Hotspots der Politik zählt?

Ich hoffe auf einen Wandel, der vielleicht in einer arabischen Form von Demokratie endet. Aber ich lebe auch mit dem Verdacht, dass dem Umsturz nach dem Arabischen Frühling kein breiter Aufbau folgen könnte und Ägypten ein Land nicht endender Unruhen wird.

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Personalaudioinformationstext:   Elisabeth Zoll, geboren 1964, ist Politikredakteurin der Südwest Presse und bis 12. Mai 2012 als Journalistin in Ägypten unterwegs. Veranstalter der Pressereise ist der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V. in Seefeld-Hechendorf. Mehr über die Autorin des Online-Tagebuches lesen Sie hier: http://www.publik-forum.de/autor/elisabeth-zoll
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