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Kein Platz für Dialog Palästina-Israel?

Der Thementag »Palästina – Israel« muss außerhalb des Kirchentags stattfinden – draußen vor der Tür. Das ökumenische KAIROS-Palästina-Solidaritätsnetz wird ausgrenzt – wie bereits 2015, beim Kirchentag in Stuttgart
von Thomas Seiterich vom 22.05.2017
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Auf dem Kirchentag wie immer ein höchst sensibles Thema: die Beziehungen zwischen Israelis und Palästinensern. Das »Kairos Palästina-Solidaritätsnetz«  muss seinen Thementag ohne die Unterstützung des Kirchentags abhalten.  (Foto: pa/westend61/Tamboly)
Auf dem Kirchentag wie immer ein höchst sensibles Thema: die Beziehungen zwischen Israelis und Palästinensern. Das »Kairos Palästina-Solidaritätsnetz« muss seinen Thementag ohne die Unterstützung des Kirchentags abhalten. (Foto: pa/westend61/Tamboly)

Der Thementag »50 Jahre israelische Besatzung – Wir dürfen nicht schweigen!« findet weitab im Osten Berlins statt, im Evangelischen Gemeindezentrum Marzahn-Nord, Schleusinger Straße 12.

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Im offiziellen Programm des Evangelischen Kirchentags findet man den Thementag nicht. Über »Juden und Christen« wird sehr wohl gesprochen, der jüdisch-christliche Dialog wird am Donnerstag und Freitag in Charlottenburg breit behandelt. Auch über »Siebzig Jahre Teilungsplan, 50 Jahre Besatzung« wird diskutiert (Samstag, 27. Mai, 15 Uhr, Palais am Funkturm). Doch die deutsch-israelisch-palästinensischen Beziehungen sind offenbar zu sensibel, um einen kämpferischen Titel zu unterstützen – und Palästinenser selbst ins Gespräch einzubinden.

Draußen vor der Tür – Konflikt um Räume

KAIROS Europa e.V. dagegen will das Wort »Besatzung« weder meiden noch »neutral« behandeln. Das begründet man mit einem Satz des Friedensnobelpreisträgers Desmond Tutu aus Südafrika: »Wenn du dich in einer Situation der Unterdrückung neutral verhältst, hast du dich auf die Seite der Unterdrücker gestellt.«

Starke Worte. Die Haltung des KAIROS-Palästina-Solidaritätsnetzes war Anlass genug für den Evangelischen Kirchentag, sich nicht mit dem Thementag einzulassen – und ebenso Anlass für die Katholische Akademie Berlin, einen Raum-Mietvertrag im eigenen Tagungszentrum für eben jenen Thementag wieder aufzukündigen.

Der Tag, so hieß es auf katholischer Seite, sei »geeignet, eine antiisraelische Einstellung« zu vermitteln. Dies sei nicht im Sinne der katholischen Kirche. Das Berliner Landgericht bestätigte die Rechtmäßigkeit der Kündigung des Mietvertrages vonseiten der Erzbischöflichen Vermögensverwaltung.

Nun also zieht der Thementag nach Marzahn. Und das KAIROS-Palästina-Solidaritätsnetz verweist auf die Resolution des UN-Sicherheitsrates vom Dezember 2016, die bestätige, dass die israelische Besatzung palästinensischer Gebiete völkerrechtswidrig sei. Für die Veranstalter ist es befremdlich, dass sich die Berliner katholische Kirche zur Besatzung neutral verhalten wolle, obgleich der Vatikan den Staat Palästina anerkannt habe. 2016 habe man eine ähnliche Veranstaltung in Stuttgart in Räumen der katholischen Kirche durchgeführt, bei der auch der örtliche Weihbischof mitgewirkt habe.

Der Thementag – das Programm

Der Thementag wird nun also am Samstag, 27. Mai, im Zentrum der evangelischen Gemeinde Marzahn-Nord stattfinden. Er beginnt um 9:30 Uhr mit einer Bibelarbeit zum Erlassjahr (3. Mose 25, 10) von Mitri Raheb, Träger des Deutschen Medienpreises 2011 aus Bethlehem.

Von 11:00 bis 12:30 Uhr berichtet der palästinensische Bürgerrechtler und Arzt Mustafa Barghouti aus Ramallah über den »Gewaltfreien Widerstand gegen die israelische Besatzung«.

Ab 13:00 bis 14:30 berichten Gideon Levy (Israel) und Varsen Aghabekian (Palästina) über die »Psychosoziale Entwicklung in der palästinensischen und israelischen Gesellschaft«.

Um 15:00 bis 16:30 Uhr informiert der israelische Wirtschaftswissenschaftler Shir Hever über das Thema: »Wer profitiert von der Besatzung?«

Albrecht Schröter, SPD, Oberbürgermeister von Jena, und der Genfer Publizist Andreas Zumach sprechen ab 17:00 Uhr über das Thema: »Für eine neue deutsche/europäische Israel- und Palästina-Politik«.

Um 20 Uhr beginnt ein Konzert mit Aeham Ahmed: »Aus den Trümmern von Yarmouk – Musik für den Frieden«.

Mehr über das KAIROS Palästina-Solidaritätsnetz finden Sie hier. Dazu auch Details zum Thementag in Marzahn.

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Schlagwörter: Dialog Kirchentag
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