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Guter Lohn für gute Arbeit

Wider die Schnäppchenjagd. Kirchen und Gemeinden sollten fair und sozial verantwortlich einkaufen. Teil 7 der Publik-Forum-Serie Aktion Sozialwort 2013
von Jens Junginger vom 03.09.2013
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Die Kirchen kaufen pro Jahr Güter im Wert von 60 Milliarden Euro, für Pfarrer Jens Junginger, Herausgeber des Leitfadens »Sozial verantwortliche Beschaffung«, haben sie die Verpflichtung,  bei den Produzenten auf humane Arbeitsbedingungen und faire Löhne zu dringen (Foto: privat)
Die Kirchen kaufen pro Jahr Güter im Wert von 60 Milliarden Euro, für Pfarrer Jens Junginger, Herausgeber des Leitfadens »Sozial verantwortliche Beschaffung«, haben sie die Verpflichtung, bei den Produzenten auf humane Arbeitsbedingungen und faire Löhne zu dringen (Foto: privat)

Die beiden großen Kirchen arbeiten an einem neuen Sozialwort, sie nennen es »Sozialinitiative«. Allerdings wird das Papier ohne Beteiligung der Basis geschrieben.Publik-Forum bietet in seiner »Aktion Sozialwort 2013« Verbänden, Basisorganisationen und Einzelnen ein Forum, die Wege zu einer gerechten und nachhaltigen Gesellschaft zu weisen. Nach Christian Janßen, Sprecher des »Bielefelder Appells«, kommt diesmal der evangelische Pfarrer Jens Junginger zu Wort.

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Lokal wie global wird der Wert menschlicher Arbeit immer geringer geachtet. Schnäppchenjagd und unwürdige Arbeitsbedingungen sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Bei der Gewinnung von Edelmetallen für die Elektrobranche, in der Textilverarbeitung, bei der Nahrungsmittelverarbeitung, im großen Bereich der Dienstleistungen bis hin zur Baubranche ist Arbeit billig wie Dreck.

Löhne werden gedrückt, wo es geht

Ein von Habsucht getriebener Wettbewerb und eine steigende Schar geiziger privater und institutioneller Verbraucher und Einkäufer leisten einen wesentlichen Beitrag dazu. Tarifflucht, Werkverträge, Ausgliederungen und fehlende Kontrollen in den Zulieferketten zeigen: Dem schrankenlosen freien Markt wird Vorrang gegeben. Die menschliche Mühe gilt als nahezu wertlos und die Kosten für Arbeit werden so gering wie irgend möglich gehalten. Ob der Lohn zum Leben reicht, spielt meist keine Rolle mehr. So ist für immer mehr Menschen eine gesellschaftliche Teilhabe nicht mehr möglich.

Wohlstand und Freiheit führen keineswegs automatisch zu besseren Arbeitsverhältnissen. Die Zivilgesellschaft ist daher herausgefordert, daran mitzuwirken, dass soziale Standards eingeführt und eingehalten werden, entsprechend dem biblischen Leitgedanken: »Jeder Arbeiter ist seines Lohnes Wert« (Lukas 10, 7). Flächendeckend könnten Kirchengemeinden fair gehandelten Kaffee ausschenken, Aufträge nur an Unternehmen vergeben, die Tariflöhne zahlen, und gezielt zertifizierte Textilien, Berufskleidung und Mobiliar für Büros und Kindergärten einkaufen.

Konsumenten tragen eine Verantwortung

Die Beschäftigten sind immer mehr darauf angewiesen, dass sich Verbraucher und Verbraucherinnen ethisch engagieren und »Zukunft einkaufen«. Und: Kunden, Verbraucher, Konsumenten können etwas bewirken, vor allem die institutionellen und öffentlichen Großkunden, die Kommunen und die Kirchen. Wird bei der Vergabe des Auftrags nachgefragt, ob soziale Mindeststandards eingehalten werden, kann das eine Veränderung und einen Schub für mehr gute Arbeit auslösen. Konsumentenkampagnen können die Verhandlungsmacht zugunsten der Beschäftigten und die Schaffung von guter und menschenwürdiger Arbeit stärken.

Institutionen wie die Kirchen, Gemeinden und Werke – aber auch alle Einzelnen – haben eine Marktmacht und sind wirtschaftliche Akteure. Sie haben eine wirtschaftsethische Verantwortung und können das Marktgeschehen durch eigenes sozialverantwortliches Einkaufsverhalten beeinflussen.

Kirchen schaffen jährlich für rund 60 Milliarden Euro Güter an

Mit einem Auftragsvolumen von 360 Milliarden Euro verfügen etwa Bund, Länder und Kommunen über eine erhebliche Einkaufsmacht. Nach Schätzungen geben die beiden Kirchen jährlich sechzig Milliarden Euro für Beschaffung aus. Das sind enorme Potenziale. Von den Entscheidungen größerer Institutionen geht eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Signalwirkung aus.

Im Unterschied zu den Umweltaspekten sind soziale Gesichtspunkte in der Diskussion um verantwortliche Beschaffung bisher jedoch kaum von Bedeutung. In den EKD-Denkschriften zu Armut, Unternehmensverantwortung, Umwelt, oder in den EKD-Texten zur Finanzmarktkrise wird der Wert der Arbeit für den Menschen und der angemessene Preis dafür ebenso wenig reflektiert wie die Verantwortung und die Möglichkeiten ethischer Einflussnahme auf die Ausgestaltung wirtschaftlichen Handelns durch das eigene Vergabe- und Einkaufsverhalten.

Ein neues Sozialwort muss den nachhaltigen Wert guter Arbeit und humaner Arbeitsbedingungen lokal wie global hervorheben. Es muss Vorschläge für konkrete Formen ethischen Handelns von privaten wie institutionellen Konsumenten benennen, bis hin zu einer Selbstverpflichtung der Kirchen. Sozial verantwortliche Beschaffung trägt dazu bei, menschenwürdige Arbeitsbedingungen zu sichern und die Rechte von Beschäftigten zu stärken.

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Personalaudioinformationstext:   Jens Junginger ist Pfarrer an der Evangelischen Stadtkirche im süd-württembergischen Tuttlingen und Herausgeber des Leitfadens »Sozial verantwortliche Beschaffung«. Er hat mitinitiiert, dass sich die Stadt Tuttlingen auf den Weg macht, eine Fair-Trade-Stadt zu werden. Kontakt: Tel 07461/162228; [email protected]
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