Comeback für Romney?
Alles oder nichts hieß es für den ins Schleudern geratenen Mitt Romney im ersten Fernsehduell mit Präsident Barack Obama. Die Debatte in Denver am Abend des 3. Oktober galt als Romneys letzte Chance für ein Comeback, und er hat sie genutzt. Wer in dem trockenen 90-Minuten-Quiz zur Innenpolitik, Wirtschaft und Gesundheitsreform mehr gepunktet hat, ist keine Frage. Romney war gewappnet. Zahlen, Statistiken und Listen perlten ihm nur so von der Zunge. Er dominierte die Debatte, artikulierte sich verständlich, attackierte mit Schwung, ließ den Moderator links liegen und hielt seinen Hang zu Schnitzern fest unter Kontrolle.
Ganz anders Obama. Vielleicht wollte er den Präsidenten herauskehren, staatstragend, ruhig und besonnen wirken. Bloß nicht als »angry black man« die Zielgruppe der noch unentschlossenen, unabhängigen Wähler vergraulen. Vielleicht war er nicht gut vorbereitet, hatte einen schlechten Tag oder war schlicht gelangweilt. Wobei man nicht vergessen sollte, dass Romney sich seit Wochen auf dieses Duell vorbereiten konnte, während Obama ja noch einiges andere am Hals hat.
Was auch immer los war mit dem Präsidenten, sein Auftritt war so saft- und kraftlos wie selten und strotzte sträflich vor verpassten Gelegenheiten. Anstatt Romney zum Beispiel das 47-Prozent-Video um die Ohren zu schlagen, in dem der jüngst die Hälfte der Amerikaner zu Schmarotzern degradierte, betonte Obama die Gemeinsamkeiten der beiden Kandidaten. Zu den nicht unbeträchtlichen Unterschieden fiel ihm wenig ein. Auch die body language des Präsidenten war »off«: Gesicht nach unten – wie ein gescholtenes Kind ließ er die Angriffe des Herausforderers über sich ergehen.
Mitt Romney hätte es nicht besser machen können. Ob das reicht, um mit Obama gleichzuziehen, wird sich sehr bald zeigen.
