Obama punktet in Florida
Die Umfragen zeigen Obama zwar als Gewinner, doch ein echter Befreiungsschlag gelang dem in den Umfragen gefährlich abgesackten Präsidenten gestern Abend an der Lynn University in Boca Raton, Florida, nicht.
Auf dem vorwiegend außenpolitischen Terrain konnte Staatsmann Obama zwar Mal um Mal seine Erfahrung ausspielen –, und er war derjenige, der sicher, konkret und durchdacht antwortete, schnell in die Offensive ging und dort auch blieb. Aber Obamas Attacken – egal ob zum Thema Syrien, Iran, Israel, Arabischer Frühling – konnten selten so recht landen. Nicht weil Romney gut dagegen hielt, sondern weil sich der Republikaner an diesem Abend wieder einmal neu erfunden hatte.
Romney: Vom Hardliner zum Leisetreter – das war diesmal die Taktik
Wer den hinlänglich bekannten Hardliner erwartete, den Mann der dem Rest der Welt in schrecklich naher Zukunft zeigen will, wo’s lang geht, der traute seinen Ohren nicht. »Romney has a peace sign on his head«, lästerte ein blogger.
Tatsächlich wirkte Obamas Rivale streckenweise, als wolle er der neuer Vize des Demokraten werden. Nicht nur unterschrieb Romney Obamas Positionen –, er machte sich sogar stark für eine Politik, die er vor Kurzem noch weit von sich gewiesen hatte: Nun ist Mitt Romney für den Abzug aus Afghanistan im Jahr 2014, nachdem er lange dagegen war. Im Iran und Syrien will er nach Monaten bombastischer Rhetorik »wirklich keinen Krieg«, stattdessen besser Obamas Sanktions-Politik verfolgen, allerdings noch eine Umdrehung schneller und schärfer. Obamas feigem Drohnenkrieg schließt er sich nahtlos an, nichts würde er da anders machen. Auch seinen »China-Schimpf« hat Romney wohl nicht so gemeint. Auch er wolle ein gutes Verhältnis zu China.
Was Mitt Romney sich gedacht hat bei diesem verblüffenden Auftritt als besonnener, vernünftiger, friedlicher Präsidentschaftsanwärter, ist klar: Er will einen guten Eindruck machen bei den acht bis zehn Prozent immer noch unentschiedenen Wählern, die am 6. November den Ausschlag geben werden. Als Radikalinski hätte er bei diesen Zauderern keinen Blumentopf – geschweigen denn ihre Stimme – gewinnen können. Als Leisetreter hat er da wohl bessere Chancen.
Ganz wohl kann er sich in der ungewohnten Rolle als Friedensfürst aber nicht gefühlt haben, denn Romney wirkte fahrig und verhaspelte sich häufig. Dass seine Nervosität mit den bohrenden Fragen des Moderators Bob Schieffer zusammengehangen haben könnte, ist ein bloßes Gerücht. Schieffer hielt wohl ein paar Nickerchen; jedenfalls ließ er all die Fragen vermissen, die – zu diesem Zeitpunkt in der Weltgeschichte – in eine Debatte zur Außenpolitik gehört hätten: Amerikas Drogenkrieg, der Einfluss der europäischen Finanzkrise auf die USA, die Themen Einwanderung, Klimawandel und Putins Russland.
Dies war die dritte und letzte Debatte. Nicht nur die Kandidaten sind froh, dass der Spuk vorüber ist.
